Archiv für Juli 2016

Ein kurzer Nachtrag zum R.U.D.E. Festival…

Ein kurzer Nachtrag zu unserem Konzert auf dem R.U.D.E. Festival…

Schon vor einem Jahr haben wir die Anfrage bekommen auf dem Rock unter den Eichen Festival in Bertingen zwischen Magdeburg und Stendal zu spielen. Ein kommerzielles Metal-Festival in Sachsen-Anhalt ist jetzt nicht gerade unsere Comfort-Zone, aber trotzdem hielten wir es für eine gute Idee mal wieder aus unserer großstädtischen Szene-Blase auszubrechen. Als Bands wie Marduk, Unleashed oder Rectal Smegma dann für das Festival bestätigt wurden, war uns klar, dass wir uns mit unserer Einstellung als Band dort womöglich nicht nur Freunde machen würden. Wir bekamen auch Nachrichten mit der Frage warum wir uns denn mit solchen Bands die Bühne teilen wollen, aber hielten daran fest, dass wir als Band mit einem gewissen politischen Anspruch nicht nur die regulären AZs abklappern wollen, wo wir vor Leuten spielen die unsere Meinungen zu den verschiedenen -ismen und wie Konzerte und Festivals gestaltet werden sollten weitestgehend teilen, sondern auch gerne dort spielen, wo diese Strukturen und Einstellungen eben nicht so weit verbreitet sind. Denn auch dort gibt es coole Leute, die Unterstützung verdient haben, wie wir es uns früher auf unseren Dörfern auch gewünscht hätten.

Mit den verschiedensten Erwartungen tauchten wir also gestern dort auf und waren erstmal positiv überrascht. Nette Crew, schönes Gelände, dies das, alles was das Herz begehrt. Wir wurden sogar von der Bühnencrew gefragt, ob wir unsere Antifa-Fahne nicht lieber gut sichtbar über dem Schlagzeug hängen haben wollen. Zunächst alles cool.

Während und nach dem Konzert zeigte sich dann aber ein anderes Bild. Neben den mehr oder weniger „üblichen“ Zwischenrufen aus dem Publikum während unserer Ansagen, kam es vor allem danach zu einigen Begegnungen am Merch-Stand, an dem wir die Fahne nach unserem Konzert aufgehängt hatten. Von vermeintlich unpolitischem „Lasst die Politik raus aus der Musik“, „Wir wollen hier doch nur unseren Spaß haben, dann müsst ihr uns doch mit sowas nicht nerven“ bis hin zu Aufforderungen die Fahne abzunehmen oder doch einfach das „Anti-„ in “Anti-faschistische Aktion” zu streichen hatten wir den restlichen Nachmittag über verschiedenste Intermezzi mit den unterschiedlichsten unpolitischen oder besorgten Bürgern, Verschwörungstheoretikern und Neo-Nazis zu tun. Tattoos von schwarzen Sonnen und Hakenkreuzen, Thor Steinar Hosen oder „Support your local Einsatzkommando“-Burzum Shirts ließen nicht lange auf sich warten. Diese versuchten uns in Diskussionen zu verwickeln und schienen Spaß daran zu haben uns bei jedem Weg an unserem Tisch vorbei mit bösen Blicken zu beäugen. Wie sich später herausstellte waren auch der ein oder andere wichtige Vertreter der lokalen NPD vertreten. Nett.

Auf unsere darauffolgende Beschwerde bei der Organisation des Festivals wurde darauf verwiesen, dass diese Leute nur vom Festival verwiesen werden, wenn es zu tätlichen Angriffen kommen würde. Zwar war das leider zu erwarten, allerdings nicht unbedingt zufriedenstellend.

Viele von euch mögen jetzt vielleicht denken, dass das klar war, wir das hätten wissen müssen etc.pp… An dieser Stelle möchten wir aber vor allem auf die Leute verweisen die uns den gestrigen Tag trotz allem sehr versüßt haben. Das größte Dankeschön geht raus an all die Leute die zu uns kamen und sich dafür bedankt haben, was wir gesagt haben und sich gefreut haben eine Antifa-Flagge auf dem Festival zu sehen. Alte als auch junge Leute die uns mehrfach gesagt haben, wie gut und wichtig es ist, in ihrer Region wortwörtlich „Flagge zu zeigen“ und lieber einen Gegenstandpunkt zu bieten als sich aus der Sache rauszuhalten, wenn das auch vielen von uns im Angesicht der anderen Begegnungen nicht leichtgefallen ist. Sätze wie „Joa, so ist das hier, ich hab das hier jeden Tag“ lassen dann doch ein ebenso merkwürdiges Gefühl zurück, wenn man dann wieder auf dem Heimweg in die Kreuzberger Blase ist. Erfahrungen, die einigen von uns nur allzu bekannt vorkamen.

Wie es momentan oder schon seit längerem um die politische Situation außerhalb der Großstädte, in den Kleinstädten und Provinzen steht, ist ja nun kein Geheimnis mehr. Auch wenn unser Besuch beim R.U.D.E. uns im Nachhinein betrachtet nicht unbedingt positiv in Erinnerung bleiben wird, so war es jedoch unserer Meinung nach wichtig als Band mal wieder aus unserem Großstadt-Mikrokosmos herauszutreten und der Realität in die Augen zu schauen und vorallem wieder unbequem zu sein. Wir wünschen uns das wir damit nicht alleine dastehen. Viele von euch spielen in Bands und fahren weite Strecken um sich diese oder andere anzuschauen, lasst doch beim nächsten Mal die Techno Party in Berlin oder Leipzig sausen und fahrt lieber auf eins von den vielen kleineren Metal- oder HC-Festivals um mal wieder die Szene zu putzen und den ganzen Rassisten, Reichsbürgern und Aluhut-Opfern zu zeigen das sie sich die Gegenkultur nicht einfach unter den Nagel reißen können. Die Locals vor Ort machen das jeden Tag und wir werden sie damit nicht alleine lassen.

Noch was allgemeines: Wir möchten uns allerdings auch von altbekannten Strategien abgrenzen, bei denen die “coolen Typen aus der Großstadt” den Kids auf dem Land die Welt erklären wollen. Die teilweise braune Hegemonie auf dem Lande, in den Kleinstädten und den Dörfern, brechen wir nur, wenn wir das gemeinsam und auf Augenhöhe durchziehen. Coole Kids gibt es überall!

Peace,
eure Fondas!